
Ich bin jetzt seit zwei Wochen Vater. Und schon diese kurze Zeit hat mir unglaublich viel gezeigt – darüber, wie sich das Leben verändert, was plötzlich wichtig wird und was man an so einem kleinen Menschen alles beobachten kann.Eine Sache ist mir dabei besonders aufgefallen:
Die Natur hat wirklich vorgesorgt.
Erstens: Dieses kleine Wesen funktioniert in den ersten Tagen fast komplett über seine Instinkte. Wenn er müde ist, gähnt er und döst langsam ein. Wenn er auf Toilette muss (förmlich für: kaka), verzieht er das gesicht und schreit gelegentlich. Und wenn er Hunger hat, beschwert er sich und sucht mit dem Mund ganz selbstverständlich nach der Brust seiner Mutter. Auch wenn er bei mir auf dem Arm ist (wo er natürlich nichts findet). Niemand hat ihm das beigebracht – es ist einfach da. Und es funktioniert. Auch wenn die Naturwissenschaften es erklären können und plausible Hypothesen über die Mechanismen existieren, kommt einem vor allem das Stillen doch wie ein Wunder vor: Man stellt sich vorher tausend Fragen, aber plötzlich funktioniert da etwas zwischen Mutter und Kind, das einfach natürlich ist. Man merkt: Hier ist wirklich Mutter Natur am Werk. Zu beobachten, wie sich ein Baby von Tag zu Tag entwickelt, wie diese Instinkte greifen und sich langsam verfeinern, ist ziemlich faszinierend.
Eine zweite Sache, die mich überrascht hat, ist, wie intensiv die Geburt als gemeinsames Erlebnis ist. Für die Mutter natürlich noch einmal auf einer ganz anderen Ebene. Aber als Paar geht man durch etwas unglaublich Intensives. Schmerz, Anspannung, Erleichterung – und am Ende hält man gemeinsam dieses neue Leben in den Armen. Ich habe das Gefühl, dass auch das von der Natur so eingerichtet ist: Dieses Erlebnis verbindet noch einmal enorm und stärkt den Familienbund. Denn ohne diesen starken von der Natur vorgesehenen Familienbund wird es schwierig für das Kind zu überleben und dadurch das Überleben der eigenen Gene und der Spezie zu sichern. Der Mann als Beschützer der Familie und die Frau als Versorgerin des Kindes. Interessant ist für mich, dass selbst die gleichberechtigsten Beziehungen (wie es meine hoffentlich ist) plötzlich vor der Aufgabe stehen klassische Männer- und Frauenrollen so zu verteilen, wie es die Natur vorgesehen hat (?). Nicht damit es dem klassischen Rollenbild entspricht, sondern weil es in dieser Situation einfach Sinn ergibt. Der Mann übernimmt das Ruder, damit sich die Frau nach den Strapazen der Geburt erholen kann. Zumindest für den Moment passt diese Aufteilung, auch wenn später dies sich wieder tauschen kann, wenn der Mann für die Elternzeit zuhause bleibt. Letztendlich entsteht aus etwas extrem Anstrengendem und Schmerzhaftem plötzlich etwas unglaublich Schönes. Und das gibt der Beziehung zwischen Mutter, Vater und Kind noch einmal eine ganz andere Tiefe.
Und dann ist da noch die vielleicht größte Veränderung: Man steht plötzlich nicht mehr selbst an erster Stelle. Da ist jetzt ein Mensch, der komplett auf dich angewiesen ist. Der deine Aufmerksamkeit braucht, deine Hilfe, deine Zeit. Und gleichzeitig merkt man sehr schnell: Man möchte automatisch nur das Beste für dieses Kind. Es fühlt sich ein bisschen wie eine Metamorphose an. Von ich kümmere mich um mein eigenes Leben zu ich sorge für jemand anderen. Und zwar mit voller Überzeugung – inklusive Schlafmangel und allem, was dazugehört. Es klingt abgedroschen und man hat es sicher schon oft gehört, aber das ist eine Erfahrung, die man wahrscheinlich erst wirklich versteht, wenn man selbst ein Kind hat.
Nach zwei Wochen stehe ich natürlich noch ganz am Anfang dieser Reise. Aber schon jetzt habe ich das Gefühl, dass mich diese kleine Person mehr lehrt, als ich erwartet hätte. Mal sehen, was die nächsten Wochen und Monate noch bringen 🙂.
